"Wir sind in unserem Bereich tatsächlich über die Jahre zum Weltmarktführer geworden"

Bernd Buchholz im Gespräch mit Norbert Basler

Norbert Basler ist Gründer der Basler AG. Mit Wirtschaftsminister Bernd Buchholz spricht er darüber, welche Herausforderungen die Gründung mit sich brachte, wie sich das Unternehmen so erfolgreich auch am internationalen Markt etablieren konnte und was er sich von der Wirtschaftspolitik wünscht.

 

 

 


 

 

Bernd Buchholz: Ja Moin aus Kiel und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts „Echte Chancen“. Mein Name ist Bernd Buchholz, ich bin Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein und hier treffe ich den ein oder anderen Menschen, der einen etwas anderen Blick auf Schleswig-Holstein zulässt als den, den man so traditionell hat. Heute ist bei mir Norbert Basler, der Gründer, der Erfinder der Basler AG. Guten Abend, Herr Basler.

Norbert Basler: Schönen guten Abend, Herr Buchholz.

Sie müssen etwas erzählen über den persönlichen Werdegang, denn Sie waren ja nicht von Anfang an Unternehmer.

Nein. Ich habe Ingenieurswissenschaften studiert und gegen Ende des Studiums fragt man sich natürlich so, was man machen soll, und mir machte das Arbeiten am Institut mit der industriellen Bildverarbeitung unheimlich viel Spaß. Und das Thema war gerade so, dass es aus den Universitäten in die Industrie wuchs und ich dachte, damit könnte man sich vielleicht selbstständig machen – und ich habe das aus dem Studium heraus dann auch getan.

Diese Idee zum selbstständig machen für einen Studierenden damals ja auch nicht unbedingt eine der gewöhnlichen Ideen.

Nein, aber an dem Institut – ich habe an einer sehr kleinen Universität studiert, wo jeder Student irgendwelche Jobs hatte und ich bin schon fürs Institut auf Messen gewesen, habe akquiriert, mit Kunden gesprochen, entwickelt und vermarktet. Also insofern war das eine gute Vorbereitung. Und zum anderen ist es auch in unserer Familie nicht ganz unüblich, selbstständig zu sein. Also es war eine durchaus gangbare Option.

So eine familiäre Vorprägung gibt es. Wo haben Sie studiert?

An der TU Clausthal, der höchsten Universität Deutschlands – und der kältesten.

Also im Harz.

Die einzige mit zwei Wintersemestern.

Gab's da schon irgendeine Verbindung nach Schleswig-Holstein?

Ja, ich bin hier aufgewachsen. Ich bin in Ahrensburg zur Schule gegangen.

Ein gebürtiger Schleswig-Holsteiner.

Nein, ich bin gebürtiger Berliner, aber in Ahrensburg zur Schule gegangen.

Da haben wir was gemeinsam, Herr Basler, ich bin auch ein gebürtiger Berliner. Und Sie sind im Harz gewesen, haben studiert und dann danach gesagt: Da mit bestimmten Dingen, mit dieser Bildgebung, da kann man sich selbstständig machen. Was war die Idee genau?

Also ich glaube das kennen auch viele, dass mittlerweile immer mehr automatisiert wird und mit Robotern erledigt wird. Laborautomation im Moment bei Corona ganz aktuell. Immer mehr Dinge laufen automatisch ohne menschliches Zutun ab und da ist es sehr wünschenswert, dass Maschinen eben auch sehen können und das, was sie sehen auch verstehen können. Und genau das ist das, was wir tun.

Das müssen wir ein bisschen erklären, damit man…eine Maschine, die etwas sehen kann –ich glaube, da können sich nicht so rasend viele was drunter vorstellen. In Wahrheit bauen Sie Fotoapparate.

Naja, so würde ich es nicht sagen. Ich würde sagen, wir bauen Kameras. Also die Gründungsidee des Unternehmens war es, Bildverarbeitung zu betreiben. Und so haben wir in den ersten Jahren auch angefangen, also ganze Systeme zu bauen, die irgendein Automatisierungs-Problem beim Kunden lösen. Wir haben in der Industrie angefangen: in industriellen Produktionsprozessen müssen sie Qualitäten kontrollieren, Dinge sortieren, solche Dinge eben. Und dafür schließen sie eine Kamera, die aber sich sehr unterscheidet von einem Fotoapparat, an einen Computer an und transferieren ein geeignetes Bild eben zu einem Prozessor und der soll das Bild dann auch verstehen können. Und dafür müssen sie Kameras bauen, die doch sehr anders sind.

Die anders sind, die in Produktionsprozessen eingesetzt werden, die einen Produktionsvorgang beobachten und daraus dann Rückschlüsse ziehen auf alles mögliche, auf die Qualität, auf sonstige Themen.

Genau das, was man wissen möchte. Also wie gesagt, es gibt auch in der Verkehrstechnik viele Anwendungen. Wenn Sie unter den Mautbrücken durchfahren, beobachtet Sie auch unsere Technik, liest Ihr Nummernschild und solche Dinge.

Ja, heute sag ich mal, ist das in der Tat ein interessanter Standard. Aber Sie haben Ihre Firma wann gegründet?

1988, also 33 Jahre her.

Da war das jetzt noch nicht so der allergrößte Standard.

Nein, da waren wir sicherlich auch so Early Mover irgendwie. Aber das war auch ja gerade der Vorteil. Das ist tatsächlich eines der wenigen Dinge, wo ich sagen kann: Das hab ich damals auch erkannt. Ansonsten verklärt man ja später alles zu strategischen Entscheidungen, aber das war tatsächlich damals erkannt, dass das ein Thema ist, was jetzt in der Industrie kommt, und das es bis dahin so nicht gab – und an den Universitäten eben vorbereitet war. Es war ein gutes Zeitfenster, um sich selbstständig zu machen.

Erzählen Sie bitte ein bisschen was über die Unternehmensgründungsphase. Also ich stelle mir mal vor, ein Student, der aus Schleswig-Holstein kommt, in Clausthal studiert und sich jetzt sagt: Och Mensch, so eine Firma, das könnte ich ja machen. Dann macht er ein Büro auf, setzt sich hin und sagt dann: Hier ist meine Firma. So funktioniert es ja in der Regel nicht.

Nein, so funktioniert‘s nicht, schon gar nicht vor 33 Jahren. Nun muss man wissen, meine finanziellen Mittel waren durchaus beschränkt, beliefen sich auf wenige tausend Mark damals, und eine Faxmaschine, die damals das Nonplusultra der Kommunikationstechnik war – was man heute glaube ich nur noch in Gesundheitsämtern findet – war schon teurer als das Geld, was ich zur Verfügung hatte. Das heißt, ich konnte keine Firma einrichten in dem Sinne und deswegen bin ich durch die Technologiezentren getingelt und -Parks und wie die alle so hießen. Norddeutschland hatte eine gewisse Präferenz für mich, aber ich war in Bremen und in Hamburg und an manchen Orten und überall hat man – ich war ja damals noch mit einem Compagnon damals noch unterwegs, ganz am Anfang – und wo wir auftauchten, hat man gefragt: Habt ihr Industrieerfahrung? Habt ihr einen Businessplan? Habt ihr Geld? Habt ihr schon Kunden? Alles mussten wir verneinen und da haben alle sehr freundlich aber gesagt, dass wir wohl nicht reif seien für eine Selbstständigkeit. Und nur in Lübeck, im Technikzentrum in Lübeck bei Herrn Dr. Mildner, der reagierte anders. Der hat sich mit uns unterhalten, fand unsere Idee gut und hat uns nach einer Stunde Gespräch in einen kleinen Raum geführt, ich glaube, der hatte so 20 Quadratmeter, gesagt: Hier können wir anfangen. Und so fand die Unternehmensgründung in Lübeck statt.

Ein echtes Startup in einer richtigen Startup-Atmosphäre im Technologiezentrum Lübeck, gegründet 1988. Finanzierungsprobleme waren auch damals sicherlich ein großes Thema für Startups.

Oh ja! Also wie gesagt, meine Mittel waren schnell erschöpft. Verdienen kann man in dem Bereich nicht sehr kurzfristig, sondern man muss erst einmal sehr viel investieren, jahrelang im Prinzip, bis dann Return kommt. Das heißt, so die elterlichen und großmütterlichen Reserven waren dann auch irgendwann mal, ich will nicht sagen erschöpft, aber irgendwo war es nicht mehr angemessen. Und dann tatsächlich bin ich dem Land bis heute sehr dankbar, die NBG und Investitionsbank haben dann Unterstützung gegeben. Die eine oder andere Förderung im technologieorientierten Bereich haben wir bekommen, keine Riesenförderung, aber doch hilfreich. Und so haben wir uns bis zu einer Phase hingearbeitet, wo dann ein Venture Capitalist-Unternehmen interessiert war, haben dann eine entsprechende Beteiligung aufgenommen und die hat uns dann bis zum Börsengang getragen. Ja und seitdem haben wir zwar ein Instrument, nämlich die Börse, um Kapitalerhöhungen vorzunehmen, die haben wir aber noch nie genutzt, weil das war dann auch der Moment, wo wir tatsächlich endlich in die Profitabilität kamen und das Geld selber verdienen konnten, was wir dann brauchten.

Ich finde das so spannend, weil es letztlich genau das beschreibt, was wir heute in Schleswig-Holstein auch immer weiter versuchen auszubauen, nämlich, dass es mit den Förderungs-Instrumentarien, mit dem Schaffen von, erst einmal Räumen, wo man überhaupt reingehen kann. Zweitens mit dem Schaffen von Verbindungen, auch mit Startkapital durch mittelständische Beteiligungsgesellschaft oder durch unsere Förderinstitute. Und dann auch mit dem ein oder anderen, heute würden wir sagen Gründungsstipendium, das wir haben, und vielen anderen Sachen, den Startups die Chance zu geben, tatsächlich eine Idee umzusetzen. Sie sind ja ein Beweis dafür, dass sowas auch mal richtig gut gehen kann. Denn in Wahrheit ist Ihr Unternehmen heute ein echter Hidden Champion.

Ja, man darf nur nicht vergessen: Die im Dunkeln sieht man nicht. Die ganzen, die gescheitert sind, die ich auch im Technologiezentrum oder im Technikzentrum Lübeck ja auch teilweise beobachten konnte. Ja, die werden hinterher nicht zum Interview eingeladen, wenn ich das mal so sagen darf. Die sieht man dann nicht. Das heißt, die Quote derer, die es dann schaffen, ist eben dann doch nicht riesig groß, muss man ehrlicherweise sagen.

Ja, das muss man sagen.

Aber sie wird größer und das auch dank der Einrichtungen. Ich meine solche Dinge wie Acceleratoren oder so, die es gibt, die auch hier in Schleswig-Holstein ja dankenswerterweise wirklich mittlerweile gut etabliert sind – gab's damals noch nicht, aber das hilft natürlich unheimlich.

Wenn Sie mir einen Tipp geben sollten, wie man noch mehr dafür tun kann, dass junge Leute mit Startups sich auf die Reise machen. Was wäre der wichtigste Tipp?

Ich glaube, eine gewisse Tendenz, die in meine Richtung gehen würde, es findet schon statt, die würde ich noch verstärken: Man hat ja sehr dann auf Businesspläne geschaut und ist das irgendwie, versuchte da vollkommen irrwitzig in die Zukunft zu schauen und irgendwelche Entscheidungen daraus abzuleiten, was meines Erachtens eine Lüge ist, sobald man es aufschreibt. In so einer Phase der Unternehmensgründung, da kann ich nicht drei Jahre, schon nicht ein Jahr vorausschauen, sondern da muss ich wirklich sehr reaktiv unterwegs sein. Deswegen würde ich sehr viel mehr auf die Menschen schauen, also versuchen herauszufinden: Sind das erst einmal Aufrichtige, also machen die mit dem Geld auch das, was sie sagen – das ist klar, das muss man schon irgendwie sicherstellen. Aber ansonsten sind das Menschen, die veränderungsbereit sind, die reagieren können, die eine gewisse Leistungslust haben und natürlich auch eine gewisse Qualifikation mitbringen für das, was sie da tun? Das heißt jetzt nicht immer unbedingt sofort Ingenieursstudium oder irgendwie so etwas, aber eine innere mentale Befähigung sozusagen haben, das zu machen.

… Die man natürlich feststellen muss, nicht? Da braucht man schon ein bisschen eine Betreuung und dafür sind diese Accelerator wirklich gute Instrumente.

Und so machen wir das in Unternehmen heute ja auch: Wenn wir engagierte Mitarbeiter suchen, schauen wir doch zunehmend weniger auf formale Ausbildung. Wir schauen doch auf die mentale Aufstellung der Menschen: Haben die Lust, wirklich was zu reißen und so weiter. Und so würde ich empfehlen, dann auch eher mit Gründungswilligen zu sprechen, weil jeder Businessplan, der da geschrieben wird, ist, ist sowieso Makulatur. Es kommt auf die Menschen an.

Das Startup, die Basler AG, ist vom Technologiezentrum in Lübeck dann nicht etwa in eine Metropole gewandert, sondern hat sich in Ahrensburg niedergelassen.

Genau, das hängt nun so ein bisschen damit zusammen, dass ich eben Ahrensburger war, bevor ich zum Studium ging. Ich fand diese Lage in Schleswig-Holstein, aber am Hamburger Rand immer attraktiv. Und da wir uns ja in einer relativ speziellen Ecke, wo wir sehr hoch qualifizierte Leute brauchen, die auch nicht immer und überall zu finden sind, war also die Attraktivität des Standorts schon wichtig. Und ich fand eben auch diese Grenze zwischen Urbanem und Grünem immer gut. Und das hat sich eigentlich auch ausgezahlt bis heute.

Da müssen wir nochmal drüber reden. Denn genau die Standortauswahl hat ja was nicht nur damit zu tun: Man kommt da jetzt her, das ist ja schön. Die Frage, kriege ich da eigentlich das Fachpersonal, das ich brauche, hat ja bestimmt eine Rolle gespielt bei Ihnen. Da muss man jetzt sagen, bei Ihnen braucht es schon hochqualifiziertes Personal. Und ja, also kommt man da sofort auf Ahrensburg?

Wir werben durchaus mit dem Standort Hamburg. Das muss ich einfach mal, auch wenn es hier Schleswig-Holstein ist, zugeben. Das ist so. Ich glaube, das dürfen wir aber auch, das ist, gerade in Kombination wird das sehr attraktiv, finde ich. Und ich sage mal, es gibt auch unter denen, die Bildverarbeitung machen wollen, sich mit optischen Technologien auskennen, Physiker, Mathematiker, Ingenieure, Informatiker sind, da gibt's auch viele, die segeln gerne und haben die Küste gerne. Also es gibt diese Menschen, man muss sie dann begeistern, dass sie zu einem selbst kommen und nicht zu Airbus oder anderen Wettbewerbern auf dem Arbeitsmarkt gehen. Und das scheint uns ganz gut gelungen zu sein.

Da wir beide ja nicht nur in Berlin geboren sind, sondern auch beide Ahrensburger jetzt sind und das auch schon seit vielen Jahren. Also ich jetzt seit vielen Jahren. Diese Lage ist ja wirklich einmalig: Metropole auf der einen Seite, Ostsee 25 Minuten auf der anderen Seite. Man ist schnell in Berlin, man kommt aber auch nach Kiel. Also die Lage ist schon wirklich gut. Und in der Tat, Sie sagen eins, das auch der Wirtschaftsminister immer gerne wieder sagt: Ja, ich bin der Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, aber wir denken heute nicht mehr an Ländergrenzen, ist das Thema zu Ende. Die Metropolregion Hamburg ist unser Gebiet und ganz Schleswig-Holstein hat als die größte Metropole in ihrem Bereich im Süden nun mal Hamburg – und davon profitieren wir wechselseitig ganz stark. Das ist auch wichtig für Sie, auch heute bei der Fachkräftegewinnung?

Ja, das ist wirklich wichtig. Und ich glaube, da kommt uns der Zeitgeist auch ein Stück weit entgegen. Weil, wir spüren ja alle, dass wir irgendwie bei allen Anforderungen, die so steigen, wir den Menschen auch mehr als einen sicheren Arbeitsplatz und ein sicheres Einkommen bieten müssen. Und ich glaube, das können wir hier oben besonders gut. Also so, ich will jetzt nicht Work-Life-Balance sagen, weil das ein bisschen abgegriffen ist, aber doch diese Bereitschaft, sich reinzuhängen, aber dann auch einen partnerschaftlichen Arbeitgeber zu haben, der auch auf meine Themen eingeht, flexibel ist, was die Konditionen der Arbeit angeht und, ich sage mal so, eine gewisse nordische Gelassenheit mitbringt. Also ich glaube, das passt eigentlich gut in den Zeitgeist.

Sie können das gelassen sagen, weil Sie ein Hightech-Unternehmen geschaffen haben, das, das muss man sagen, mit den größten der Welt zusammenarbeitet. Ich glaube, alle die, die man zum Beispiel im Bereich der Handyproduktion auf der Welt eine Rolle spielen, ob das Apple ist oder andere, die sind bei Ihnen auf der Kundenliste.

Es sind viele führende Unternehmen auf der Kundenliste, manche von denen mögen nicht, dass man sie nennt, genau. Wir sind in unserem Bereich tatsächlich über die Jahre zum Weltmarktführer geworden. Das heißt, wenn Sie solche Formen von Industriekameras beschaffen wollen als Kunde, dann sind wir der führende Ansprechpartner.

Dann kommt man an der Basler AG nicht vorbei.

Nicht vorbei will ich nicht sagen, aber wir sind tatsächlich von den Stückzahlen her und von der Bekanntheit her und von der Marke her sicherlich das führende Unternehmen.

Aus diesem Hightech-Unternehmen, aus dem Startup in Lübeck im Technologiezentrum ist heute ein Unternehmen mit wieviel Mitarbeitern geworden?

Zwischen acht- und neunhundert Mitarbeitern.

Alles am Standort in Ahrensburg?

Nein. Ahrensburg ist nach wie vor der größte Standort, die anderen Standorte wachsen aber im Schnitt schneller als Ahrensburg. Unser größter Standort außerhalb Ahrensburgs ist in China und andere sind eben in anderen asiatischen Metropolen. Also Taiwan, Singapur, Japan. Dann in Nordamerika bei Philadelphia sitzen wir – dort eine ähnliche Lage übrigens zur Stadt Philadelphia wie Ahrensburg zu Hamburg. Auch dort bewährt sich das. Und in Schleswig-Holstein selber sind wir noch in Neumünster mit einem Standort vertreten. Dann sind wir in Hamburg im Fruchthof mit einem Team vertreten und seit drei Jahren in Mannheim. Das ist durch eine Akquisition gekommen, die wir dort getätigt haben.

Ein Hightech-Unternehmen darf nicht stehenbleiben. Ein Hightech-Unternehmen muss sich immer weiterentwickeln, denn die Standards auf der Welt entwickeln sich auch immer weiter. Wie besteht man mit einem solchen Unternehmen in einem Weltwettbewerb, in dem gerade im asiatischen Bereich die technologische Entwicklung, seien wir ehrlich, schon oft etwas rasanter auch unterstützt wird als bei uns in Zentraleuropa?

Das wird zunehmend schwer, weil, ich meine, die asiatischen Volkswirtschaften, insbesondere China, haben ja nicht nur uns in der einen oder anderen Schlüsseltechnologie mittlerweile den Rang abgelaufen. Sie bestimmen auch zunehmend die Standards. Und das heißt, und diese Karten legen wir uns auch gerade, ein reiner Vertriebsstandort China wird es nicht bleiben können, sondern man muss sicherlich mit den dortigen Gegebenheiten, den dortigen Mitarbeitern für die dortigen Kunden dann auch mit deren Technologie arbeiten.

Woran hat es gelegen, dass wir in Deutschland, dass wir in Europa, ein Stückchen zusehen mussten, wie uns asiatische Märkte an der Seite überholen? Gerade bei solchen technologischen Entwicklungen?

Ich sehe das relativ parallel zu der Frage, wie wir eigentlich innerbetrieblich aufgestellt sein müssen, um innovativ und kreativ zu sein. Und da sehe ich eine gewisse Parallele auch zur Gesamtgesellschaft. Also wenn wir als Unternehmen führend bleiben wollen, haben wir keine andere Chance, als Mitarbeiter zu haben, die den Mut haben, unkonventionelle Wege zu gehen, die aber auch wissen, dass, wenn sie das tun und scheitern, dass sie in eine Unternehmenskultur eingebettet sind, die das nicht sanktioniert, sondern ganz im Gegenteil, wo einfach ein hohes Maß an Vertrauen herrscht und wo aber auch eine sehr große Kenntnis darüber herrscht, sozusagen, was die Uhr geschlagen hat. Also man muss transparent wissen, wo, sozusagen im sportlichen Sinne, der Gegner steht und was wir dafür tun müssen. Und wenn ich das auf die Gesellschaft übertrage, dann würde ich sagen, ist das im Kern ein Haltungsproblem. Haltungsproblem im Sinne von: Wir wissen nicht mehr so richtig, wofür wir hier kämpfen und so richtig Lust auf Attacke haben wir vielleicht auch nicht. Und dann bleibt eben so eine Innovationskraft vielleicht hinter denen zurück, die eine andere Motivationslage haben, die andere Randbedingungen haben ohne jetzt – das muss man immer gleich dabei sagen – jetzt Fan sein zu wollen von dem, wie es zum Beispiel in China läuft. Ich möchte nicht in China leben und möchte diese Verhältnisse auch nicht für uns haben. Aber China ist nun mal ein Faktum in der Welt, die existieren, die werden wir auch nicht ändern. Und die haben einfach eine hochmotivierte, sehr junge, auch im Geist junge Mannschaft, sag ich mal, die wollen richtig was reißen. Die haben eine andere mentale Haltung zu dem Thema, dass sie dann auch noch sehr viel mehr und länger arbeiten als wir und so weiter – geschenkt, also darauf kommt es glaube ich gar nicht so sehr an. Sondern es kommt auf die innere Einstellung glaube ich an.

Hungrig bleiben.

Hungrig, ja. Wir sind alle so ein bisschen satt.

Hungrig bleiben und immer weiter auch irgendwie etwas wollen, nicht ins Gemütliche abrutschen. Schleswig-Holstein gilt doch eigentlich als so ein gemütliches Land, so Flensburger Werbung. Sie sind einer, der hier sagt: Nee, hungrig bleiben, wir müssen dynamisch bleiben. Mein Appell ist das ja auch immer. Wir brauchen ein Land, das rauskommt aus dem Image – Image nicht nur, sondern wir sind eigentlich mit vielen Unternehmen ausgestattet, die hochinnovativ, dynamisch und immer auch hungrig bleibend unterwegs sind. Und Sie sind ein gutes Beispiel eigentlich dafür. Was können wir dafür tun, dass das noch mehr erfasst?

Also ich glaube diesen Unternehmen, die Sie eben meinten, ist zu eigen, dass sie es innerbetrieblich schaffen, so ein bisschen diesen Zeitgeist innerhalb ihres Betriebes zu konterkarieren. Und daraus entsteht natürlich ein gewisses Spannungsfeld auch, und ich sage mal, die Unternehmen selber reagieren natürlich durch Investitionen und Aktivitäten dann auch in anderen Gegenden der Welt, wo man vielleicht dann andere Bedingungen vorfindet. Was wir tun könnten, wäre meines Erachtens eine höhere Transparenz über die Gegebenheiten, wie sie nun mal sind. Also ich kann zum Beispiel nicht verstehen, warum es in unserer Gesellschaft nicht transparenter ist, welchen wettbewerblichen Herausforderungen, technologischen und wettbewerblichen Herausforderungen, wir uns gerade in Asien gegenübersehen und wie bedroht dadurch unsere Wohlfahrt ist.

Spielt in Wahrheit in der öffentlichen Diskussion überhaupt gar keine Rolle.

Nein. Und wenn man jetzt das Glück hat, so wie wir, sozusagen an der Front zu arbeiten, also im Technologiesektor, in China der größte Anbieter für die Technologie zu sein, die wir sind, die wir nun mal vertreten und das wirklich live jeden Tag mitzubekommen, wie uns da der Rang auch ein Stück weit abgelaufen wird, dann fragt man sich einfach zunehmend: Warum wissen das nicht die anderen, klar, die können es nicht wissen, weil sie vielleicht nicht in einem technologie-exportorientiertem Unternehmen arbeiten, dann wäre es meines Erachtens die Aufgabe der Politik, das besser zu erklären, transparenter zu machen, weil damit fängt einfach jede Veränderungskurve an, dass ich eine Veränderungsnotwendigkeit erkenne. Und die erkenne ich natürlich nicht, wenn ich gar nicht das Problem sehe.

Da ist was dran. Und das ist sicherlich auch die Aufgabe von Politik, darauf hinzuweisen, dass, wer stehen bleibt, der geht rückwärts und wo kein Wachstum ist und wo keine Dynamik mehr drin ist, da wird man nicht nur gemütlich, sondern da riskiert man den Wohlstand der Zukunft. Hungrig bleiben ist ein Thema für die Politik, aber es ist ein Thema, das Ihnen jedenfalls gelungen ist. Heute ist das ein prosperierendes Unternehmen, die Basler AG, mit vielen unterschiedlichen Standorten. Ich fand das spannend, wie aus dem Ahrensburger, der dann nach Clausthal gegangen ist, um dort zu studieren, über das Technologiezentrum in Lübeck mit dem kleinen Startup ein Hidden Champion, ein Weltmarktführer im Bereich optische Kameras für Produktionsprozesse geworden ist. Vielen Dank, dass Sie da waren, Herr Basler. Zum Schluss stelle ich immer drei kurze Fragen mit der Bitte um kurze Antworten. Die besten Ideen habe ich…

…im Gespräch mit anderen.

Mein liebster Ort in Schleswig-Holstein ist…

…am und auf dem Wasser.

Am meisten inspiriert hat mich…

Ich glaube die Freiheit, die ich genießen durfte in der Ausbildung bei der Wahl meines beruflichen Werdegangs, und auch heute als Unternehmer.

Das ist was Schönes, wenn man sich so verwirklichen kann. Man kann ja allen jungen Leuten nur zurufen, die die Chance haben, sich mit ihrer Idee selbstständig machen zu wollen, dass sie das angreifen sollten. Da glaube ich gibt‘s nichts Schöneres, als erfolgreich mit einer eigenen guten Idee zu sein. Da kann man Ihnen nur dazu gratulieren. Ich fand‘s schön, dass Sie bei mir waren. Norbert Basler, der Gründer, der Erfinder der Basler AG, einem Hidden Champion aus Schleswig-Holstein. Vielen Dank, dass Sie zugehört haben und bis zum nächsten Mal, wenn ich einen weiteren interessanten Gast begrüße, hier bei Echte Chancen, dem Podcast des Wirtschaftsministers in Schleswig-Holstein.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz vor einem Mikrofon.
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Perspektiven, die sich hören lassen können: im Podcast über Zukunftsbranchen in Schleswig-Holstein mit Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz.
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